Aufarbeiten ist der Weg

Gedanken, als ich eine Homepage las über psychische Kindesmisshandlung

 

 

 

Irgendwie war es "bei uns zu Hause anders". 

Ich arbeite schon nun einige Jahre auf, um zu verstehen, zu vergleichen, zu heilen. Vieles wurde mir erst die letzten Jahre bewusst, was meine Eltern mir angetan haben. Sei es durch die psych. Misshandlungen durch meine Adoptivmutter oder das Wegsehen meines Adoptivvaters. Darüber reden kann man auch heute nicht mit ihnen, es wird verleugnet, belächelt und gesagt: "Du hattest schon als Kind eine blühende Phantasie!"

 

Es war im Jahr 2011, als ich mit der Seite hier im Web begann. Auf den Folgeseiten setzt es sich quasi fort und entwickelt sich.

 

Ich kam als Kleinkind in Pflege und wurde dann 1 Jahr später adoptiert. Zuvor war ich die ersten 11 Lebensmonate 4x halb verhungert und verwahrlost (verursacht durch die leibliche Mutter) in die Klinik eingeliefert worden. 

 

Mit der Adoptivmutter hatte ich auch nicht so viel Glück. Ich bin mit schlimmen Sprüchen aufgewachsen wie: "Du weißt, dass du krank bist, du wirst nie sein, wie andere Kinder!" oder "Dich wollte niemand haben, deine Mutter nicht, deine Oma nicht und dein Vater war ein Selbstmörder!" Das sie es bereut hat, mich adoptiert zu haben, sagte sie mir auch, da war ich ca. 9. In der Schule sagte man zu mir: " Wer weiß, wo deine Mutter gerade auf den Strich geht!" Es war meine leibliche Mutter gemeint, in dem kleinen Ort war bekannt, dass ich adoptiert war.

 

Meine Adoptivmutter liebt Krankheiten, Macht und Kontrolle und sie braucht Unmengen Aufmerksamkeit Sie war eifersüchtig auf mich! Mehr als einmal sagte sie mir damals, Papa würde mich mehr lieben, als sie! Die Liebe zum einem Kind ist ja wohl eine andere, als die zum Partner. Und mein Adoptivvater hat da auch nichts verwechselt.

 

Sie wollte jedenfalls dass die Ärzte mir einen frühkindlichen Hirnschaden nachweisen wegen der Ursprungsfamilie. Ich hatte schlechte Gene, die ausgetrieben werden mussten, wie sie meinte und was wohl ihre Lebensaufgabe war. Ich war mit 11 deswegen in der Klinik auf der Psychiatrischen Station für Kinder zur Beobachtung, wie es hieß, und sie hatte einem gefährlichen Eingriff zugestimmt. Mein Adoptivvater hatte zum Glück diesem Eingriff nicht zugestimmt (Lumbalpunktion - Gehirnwasser zum Untersuchen aus dem Rückenmark entnehmen). Ich habe die Auswirkungen dieses Eingriffs an Kindern zwischen 2 und 14 Jahren dort live ansehen müssen. Wie die Kinder und Jugendlichen sich davor und danach verhielten. Und ich war heilfroh, dass mir das erspart blieb. Bleibende Schäden waren damals auch keine Seltenheit!

 

Allerdings hat mein Adoptivvater sonst meist ignoriert und weggesehen, wollte nicht sehen, was seine Frau mit mir anstellt. Erst als Erwachsene wurde mir klar - ER hat mich nicht beschützt. Er war/ist meiner Adoptivmutter gegenüber immer irgendwie hilflos. Aber ER war ERWACHSEN!!! Als Kind habe ich ihn geliebt und auf einen Sockel gestellt. Er hat mich schließlich nie geschlagen, war nie ernsthaft böse zu mir.

 

Meine Adoptivmutter arbeitete ehrenamtlich bei der Jugendhilfe in der damaligen DDR. Ein Wolf im Schafspelz! Beide Adoptiveltern waren zudem auch brave SED Genossen und ich wurde selbstverständlich in diesem Sinne erzogen. Es gab selbstverständlich kein West-Fernsehen für mich und keine westlich aussehenden Klamotten. Mit 14 musste ich noch einen roten "Pionierannorak" anziehen, mit Pionierabzeichen drauf gestickt, obwohl ich da schon raus gewachsen und FDJler im Blauhemd war (es war halt der vorbestimmte Weg). Eine Klassenkameradin trennte netter Weise das Pioniersymbol von dem Annorak ab, ich selbst hätte mich das aus Angst nie getraut. Zu Hause war danach die Hölle los!

 

Bei uns zu Hause war eben immer alles irgendwie anders, als bei anderen. Und niemand draußen erkannte es oder wenn doch, schwiegen alle! Andere Kinder im Ort mit solchen Eltern bekamen bei Zeiten eine eigene Wohnung, aber ich war gefangen. Es kamen sogar Jugendliche, um sich beraten zu lassen zu meiner Adoptivmutter nach Hause wegen solcher Situation. Ich war komplett im falschen Film da - immer!

 

Apropos falscher Film, ... es gabt da so eine Werbung im TV, es geht wohl um Milch, alle Jalousien gehen runter, alles ist grau und das Kind fragt plötzlich - warum bei uns immer alles anders ist...? Das erzählte ich einiger Zeit mal meinen Eltern, in einer Situation, wo ich wütend auf irgendeinen blöden Spruch von ihnen war. Ich erzählte von der Werbung und das ich mich bei ihnen meine gesamte Kindheit wie im falschen Film gefühlt habe, bei uns war auch immer alles anders, als bei anderen! Sie haben mich nur seltsam und betreten angeschaut.

 

Trotz allem habe ich damals Schule und Lehre mit 2 abgeschlossen! Später bei einem Klassentreffen sagte eine von den ehemals Klassenbesten zu mir : " Es ist ein Wunder, dass du überhaupt die Schule geschafft hast, wo dich das mit deiner Mutter so viel Energie gekostet hat!" Bis dahin hatte ich mir darum nie Gedanken gemacht, aber es ist wahr. Viele Menschen, die ähnlich aufwuchsen, sind heute als Erwachsene nicht in der Lage ihrem Beruf nach zu gehen, müssen starke Medikamente nehmen, sind depressiv oder anders krank und ständig in ärztlicher Behandlung.

 

Diese Kindheit belastet schon irgendwie meine Seele und meine Gesundheit, vielleicht ein Leben lang. Ich weiß das, denn auch ich bin nicht frei von düsteren Gedanken, Albträumen, ab und an nächtlichem Gedankenkarussell, Druck in der Magengegend wenn ich die Eltern mal wieder anrufen oder besuchen musste. Es ging mir dann Tage lang davor und danach schlecht und ich habe sehr schlecht geschlafen und schlecht geträumt.

 

Würde ich ein Buch darüber schreiben, was ich "da wo ich aufwuchs" erlebt habe, es würde so dick werden wie manch Bestseller.... hunderte böse Erinnerungen. Aber ob ich mir und anderen so ein düsteres Werk antun möchte? Würde es anderen Betroffenen helfen, oder mir? Daher erst einmal nur diese Webseiten und meine Linkliste.

 

Meine Adoptivmutter liebt es zu kontrollieren, zu verhören, zu beschuldigen, streitet immer bis auf´s Messer (sagt selbst mein Adoptivvater) - denn sie irrt sich nie! Ich dachte früher immer - sie wäre bestimmt auch eine ideale Gefangenenwärterin. Emotionale Erpressung - darin ist sie auch bis heute sehr gut! Eine Schulfreundin, wurde sogar damals Zeugin und wurde mit mir zusammen 1,5 Stunden lang von ihr "verhört" - anders kann man es nicht nennen. Die Klassenkameradin weinte und hätte schon längst zu Hause sein müssen, aber das störte meien Adoptivmutter nicht. Vor 2 Klassenkameradinnen bekam ich den Po versohlt, mein Kopf wurde dabei mit von den Knien meiner Adoptivmutter eingeklemmt. Sehr entwürdigend!

 

Wir waren da ca. 9-11 Jahre alt. Meine Adoptivmutter hasst diese Schulfreundinnen von damals übrigens heute noch!!! Sie hatten schließlich einen schlechten Einfluss auf mich. Widerworte oder "Nein", Nichterfüllung so etwas hatte es einfach nicht zu geben und wurde somit hart bestraft.

 

Einmal fiel auch Weihnachten aus und ich wurde eingesperrt, der Schlüssel weg genommen. Und wie oft hatte ich Beulen und Blessuren von Schlägen oder wo ich irgendwo dadurch gegen geknallt bin, ich wurde erpresst, und sagte dann auch meinem Vater nichts, wenn er abends fragte, woher das kommt. Noch als ich 18 war warf sie eine Holzfussbank nach mir - hätte ich nicht den Arm schützend vor mein Gesicht gehalten, wären die Beine dieser Fussbank direkt da gelandet. So schmerzte nur tagelang mein Arm.

 

Kinder wurden früher anders als heute erzogen, in den 60gern und davor auch. Und niemand störte sich anscheind daran, wenn meine Adoptivmutter immer mal diesen  Spruch zum Besten gab und dabei lachte: "Meine Mutter hatte lockere Handgelenke und ich hab´s geerbt!"

 

Ich habe als Kind täglich die Stunden gezählt, bis mein Vater heim kam. Erst wenn er da war, fühlte ich mich etwas sicherer. Wobei er meist viel arbeitete oder in den Garten flüchtete, weil er sich selbst nicht wohl fühlte in seiner Ehe. Geborgenheit, Urvertrauen, das jemand hinter mir steht, habe ich nie erfahren während meiner gesamten Kindheit. Ich war nie gut genug. Selbst an das kleinste Lob wurde ein "ABER" angehangen.

 

Meine Kindheit sehe ich heute als "VERSCHÄRFTES ARBEITSLAGER"! Etwas anderes war es nicht. Ich wollte mich mit 16 ernsthaft umbringen wegen meinem Elternhaus, der Abschiedsbrief an eine Freundin war bereits geschrieben. Eine "Eingebung" rette mich zum Glück - irgendwie dachte ich: "Ich habe es so lange ausgehalten, den Gefallen tu ich denen nicht! In 2 Jahren bin ich 18 und dann gehe ich!" Ein kluger Gedanke! Nur fort gegangen für immer bin ich da leider nicht.

 

Ich musste meist meine Wäsche mit der Hand waschen, trotz Waschmaschine, sämtliche Wege meiner Mutter erledigen, musste als Seelentröster und Partnerersatz auch als Kind schon herhalten, dufte somit oft erst nach Mitternacht schlafen, wenn sie meinte sie muss mich stundenlang zutexten. Oder sie tat freundlich, horchte mich somit aus, um später mal alles gegen mich zu wenden. Das it eh die Taktik von Menschen mit dieser Störung. Ich konnte ihr nie trauen, ihre Stimmung konnte jede Sekunde umschlagen in rasende Wut. Ich war nie locker, entspannt. Ich dachte früher immer, mein Adoptivvater weiß von allem nichts. Ich hatte eher Mitleid mit ihm, er musste ja auch bei dieser bösen Frau leben.

 

Ich kann das alles kaum begreifen, ich bin selbst Mutter eines nun Erwachsenen Kindes. Ich wollte immer anders zu meinem Kind sein, als ich es erlebte und wollte, dass mein Kind mich nie hassen muss! Ich war immer eine Löwenmama und stand hinter meinem Kind! Ich hoffe, ich habe es hauptsächlich gut gemacht!

 

Ich staune beinahe, wie normal ich heute lebe, ohne Therapie, ohne Psychologen. Denn denen traue ich nicht, seit ich mit 11 auf der Psychiatrischen Station zur Beobachtung war - 4 Wochen lang und Dinge sah und erlebte, die nichts für Kinderaugen sind. Auch die sagten mir damals, es kann sein, dass ich die Schule nicht schaffe, das ich Konzentrationsprobleme habe. Aber was bei mir zu Hause los war, erkannten sie nicht! Seit dem - Psychologen, Psychiater - nein danke!

 

Kriegserlebnisse sind vergleichbar, wenn man so aufwächst, weiß ich heute 2015 aus dem Buch "Borderline-Mütter und ihre Kinder". Und ich weiß auch, es gibt keine Skala - was ist schlimmer - das was du erlebt hast, ober das was ich erlebt habe. Weil jeder Mensch anders empfindet und anders Erlebtes verarbeitet! 

 

Wer es nicht weiß, der merkt es mir heute nicht an. Ich bin nur ruhiger, als andere, da wo ich neu bin und niemanden kenne. Freunde kennen mich überwiegend lebensfroh. Sie kennen meine Geschichte und staunen mitunter, wie ich mit dem Leben zurecht komme. Aber es gibt trotzdem genug dunkle Stunden, Tage oder Nächte. Man kann seine Kindheit nicht abschütteln, nur lernen gut damit zu leben.

 

Ich möchte auch allen Mut machen, die mit solchen Erinnerungen kämpfen. Ihr bestimmt Euer Leben heute selbst - und Ihr habt ein Recht darauf, glücklich zu sein!

Angeregt dies zu schreiben wurde ich Ende 2011 durch eine Webseite in meiner Linkliste. 

 

 ALLES WAS ICH HEUTE BIN, BIN ICH NUR DURCH MICH!

 

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Recht damals:

 

Strafgesetzbuch der DDR

§ 142. Verletzung von Erziehungspflichten. 

(1) Wer die elterliche oder eine andere Rechtspflicht, für die körperliche, geistige oder sittliche Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen zu sorgen, mißachtet, indem er
1. das Kind oder den Jugendlichen fortwährend vernachlässigt und dadurch vorsätzlich oder fahrlässig in der Entwicklung schädigt oder gefährdet;
2. das Kind oder den Jugendlichen mißhandelt;

3. durch schwere Verletzung dieser Pflichten die Begehung mit Strafe bedrohter Handlungen durch das Kind oder den Jugendlichen begünstigt,wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Verurteilung auf Bewährung bestraft.

 

Weiter unten, dieses Recht gilt heute.

Seltsam meiner leiblichen Mutter wurde das Sorgerecht für mich aberkannt weil sie mich hungern lies und nicht versorgte. Mine Adoptivmutter kannte das Kinterschutzrecht der damaligen D_DR und half anderen Kindern, brachte diese in Kinderheime. Aber ihr angenommenes Kind hatte die Hölle bei ihr. Nachbarn, Lehrer viele wussten und ahnten etwas. Alle schwiegen.

§ 225
Mißhandlung von Schutzbefohlenen

(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder eine wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlose Person, die

  1.  seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
  2.  seinem Hausstand angehört,
  3.  von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt überlassen worden oder
  4.  ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet ist,

quält oder roh mißhandelt, oder wer durch böswillige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn der Täter die schutzbefohlene Person durch die Tat in die Gefahr

  1.  des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder
  2.  einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung

bringt.

(4) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes 3 auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.